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Rosen vor dem Lenz

Vielfältig und wunderschön
Die Nieswurz ist nur ein vermeintlicher Exot – denn die früh blühenden Helleborus-Stauden kommen auch in heimischen Gefilden vor. Peter Janke setzt in seiner Gärtnerei auf vielfältige Hybriden.

Echte Diven kommen nicht von der Stange. Und bereiten selbst ihren Fans mitunter Kopfzerbrechen. Welchen Auftritt wird sie heute hinlegen? Abwarten, bis die Kür kommt. Sagt sich auch Peter Janke. Der Gartenplaner, Staudengärtner und Florist hat nämlich viel Erfahrung mit seinen Gartendiven aus der Gattung Helleborus. Nieswurz nennt man die Staude auch, aus deren dunkler Wurzel früher tatsächlich Niespulver hergestellt wurde. Alle Teile enthalten auch ein dem Eisenhut verwandtes Herzgift – das die Kultur der Nieswurz als Arzneipflanze schon in der Antike jenseits ihrer ästhetischen Qualitäten beförderte. Letztere finden sich über der Erde: Blüten, die manchmal schon vor dem Jahreswechsel erscheinen. Womit wir schon mitten in eine botanische Debatte eingetaucht wären. Denn die sogenannten Christrosen, die schon am Ende des Herbsts im Topf gern auch die Regale der Baumärkte füllen, gehören zu der Art Helleborus niger. Sie ist vor allem im alpinen Raum heimisch und überrascht mit ihren meist schneeweißen Blütensternen, lange bevor anderes blüht. Legenden sind um diesen vermeintlichen Exot entstanden, der den Kalender der Natur auf den Kopf stellt. Glück soll er bringen, im Mittelalter galt er auch als Schutz vor der Pest.

„Mich faszinieren vor allem die Lenzrosen mit ihrer Vielfalt an Blütenfarben und -formen“, erklärt Janke, Spross einer alt eingesessenen Gärtnerdynastie in Hilden bei Düsseldorf. „Es sind Gartenstauden, hinter denen genetisch hauptsächlich eine Nieswurzart aus Kleinasien steckt, Helleborus orientalis.“ Tatsächlich haben sich seine Schützlinge durch zahlreiche Mutationen schon recht weit von den wilden Vorfahren entfernt und firmieren nun unter dem botanischen Namen Helleborus x hybridus. Und die können etwas zickig sein. Denn eine Helleborus lässt sich generell nicht gern stören. „Wenn man sie durch Teilung im Labor vermehrt, fallen sie oft nach kurzer Zeit aus und verändern ihren Charakter“, erklärt der Rheinländer. Also muss man im besten Fall ganz klassisch aussäen und dann erlebt man eine Überraschung: Die Kinder sehen anders aus als die Eltern. Farben changieren, es können plötzlich kleine Pigmentpunkte auftauchen; mit dem Begriff „sortenrein“ kommt man also kaum weiter. Deshalb sucht man in dem umfangreichen Staudensortiment von Peter Janke auch vergeblich nach klangvollen Züchtungsnamen der eleganten Lenzrosen, deren Farben von hellem Grün über Gelb und Weiß, Rosa und Rot bis zu einem fast schwarzen Purpurrot reichen. „Unter Botanikern spricht man stattdessen von „Strains“, Gruppen, deren Merkmale sehr nahe beieinander liegen“, erklärt Peter Janke, dessen Pflanzenliebe schon früh begann …

Zusammenfassung aus der „Living 01/2010“

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