Sternschrauber

Erwin Fischer leitet in Gauting bei München eine etwas andere Autowerkstatt – und erfüllte sich mit dem offiziellen Classic-Service von Mercedes-Benz seinen Jugendtraum

Sie lächeln. Fast alle. Augenpaare schauen aus der Karosserie hinaus, und sind doch nur Scheinwerfer. Mal rund, dann oval, das entscheidet die Zahl hinter dem großen „W“. Es steht für einen Wagen, den Mercedes-Benz einmal gebaut hat. Zusammengerechnet bringt es die automobile Seniorentruppe in der schlichten Halle locker auf mehrere Jahrhunderte. Irgendwie erinnert das Szenario an eine Häschenschule aus dem Bilderbuch. Unschuldig stehen sie da, in Reih und Glied, oder gerade aufgebockt, alte Autos, die noch nach Benzin riechen dürfen. Und eine Menge Geschichte erzählen. In einem streitbaren Artikel hat ein Kölner Designprofessor jüngst gegen das zeitgenössische Autodesign gewettert. „Wie früher Kuh, Esel, Kamel und Hund betrachtete man Autos eine Zeit lang wie beste Freunde“, schreibt Paolo Tumminelli in der Süddeutschen Zeitung. Er beklagt den aktuellen Verlust von Unmittelbarkeit und – menschengemäßen – Proportionen. Er vermisst ein Gesicht und findet stattdessen aufgeblasene Stirnflächen und grinsende Maul-Grille, „Jurassic Cars“. Dabei hätte man die doch eigentlich eher unter den Oldtimern vermutet.

Tumminelli mag manchem aus dem Herz gesprochen haben, auch jenen, denen aktuelle Automobile eher wie Waffen erscheinen statt wie treue Begleiter. So treu wie ein Mercedes-Benz 300 SL. In ihn hatte sich Erwin Fischer bereits als Zwölfjähriger verliebt. Und deshalb eine Entscheidung fürs Leben gefällt. „Ich wusste, dass ich mir diesen Sportwagen niemals leisten können würde und deshalb wollte ich Automechaniker werden, um auch mal eine Probefahrt machen zu können.“ So sentimental wie diese Liebeserklärung wirkt der Meister in der Gautinger Classic-Werkstatt von Mercedes-Benz sonst eigentlich nicht. Mit vierzehn trat er dann in München bei Mercedes-Benz seine Lehre als Kfz–Schlosser an und machte später, 1978, noch seinen Meister. Heute, mit sechzig, ist er unter Oldtimerfreunden ein gefragter Mann.

Man muss sich das vorstellen. Als junger Bursche betrachtete er den heute unbezahlbaren Klassiker aus Stuttgart mit Recht als ein modernes Auto. Heute liegt seine technische Entwicklung aber bereits bald sechzig Jahre zurück. „Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie 1963 der erste Mercedes-Benz 230 SL in der Werkstatt in der Arnulfstraße stand“, erzählt Erwin Fischer, „das war schon etwas!“ Noch nicht einmal 20.000 Exemplare wurden bis 1967 von dem frühen Typ der Baureihe W 113 gebaut. 1971 lief der letzte 280 SL vom Band, mit weniger als 50.000 Autos war das Kapitel der Baureihe W 113, heute unter dem Synonym „Pagode“ bekannt, für die Stuttgarter abgeschlossen. Demgegenüber wurden von dem kleineren aktuellen Mercedes-Benz-Sportwagen SLK bis heute bereits weit mehr als eine halbe Million verkauft. Und man darf mutmaßen, welcher freundlicher lächelt. Dagegen sucht man bei den alten Modellen den Laptopanschluss natürlich vergebens. „Erst Ende der Sechzigerjahre hat Mercedes-Benz eine elektronische Einspritzanlage eingeführt“, erzählt der Münchner Experte. „Das war eine große Zäsur in der Autotechnik, vorher verlief im Motor alles rein mechanisch.“ …

Zusammenfassung aus der „Living 04/2009“

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